Freezing - Bewegungsblockaden bei Parkinson

Freezing: Bewegungsblockaden bei Parkinsonpatienten

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Patienten mit Parkinson und deren Angehörige kennen jenes Phänomen nur allzu gut, welches man als Freezing bezeichnet und das gleichermaßen gefährlich wie auch äußerst rätselhaft ist. Und gerade Außenstehenden erscheint es meist völlig unerklärlich, was bei diesem Freezing vor sich geht: Ein Mensch scheint ganz normal über die Straße zu gehen und bleibt dann aus unerfindlichen Gründen mitten in der Bewegung stehen. Nichts an seinem Körper rührt sich mehr und nichts deutet auch nur annähernd auf die Gründe dieser plötzlichen Erstarrung hin. Das Phänomen des Freezing wirft auch heute noch zahllose Fragen auf, doch es gibt inzwischen wirksame Medikamente, Therapien und Tricks, die in solchen Situationen weiterhelfen.

Was genau ist eigentlich Parkinson?

Wie über das Freezing ist auch über das Phänomen Parkinson im Allgemeinen auch heute noch nicht allzu viel bekannt. Sicher ist, dass es sich dabei um eine Erkrankung des Nervensystems handelt, welche die Motorik und die Beweglichkeit des betroffenen Menschen in starkem Maße einschränken kann. Dabei gehen im Gehirn des Patienten unentwegt diejenigen Nervenzellen verloren, die den chemischen Stoff Dopamin enthalten. Dieser Stoff ist ein sogenannter Botenstoff, das heißt, er sorgt für den Informationsaustausch zwischen den Nervenzellen, eben wie ein richtiger Bote. Das Interessante daran ist, dass Dopamin unter anderem für Antrieb, Motivation und Glücksgefühle sorgt. Zudem ist es für die Kontrolle von Bewegungsabläufen zuständig. Bei Patienten mit Parkinson aber gehen immer mehr dieser Dopamine verloren, sodass bei den Betroffenen ganz allmählich Symptome auftreten wie Zittern, Versteifung der Muskeln und extrem verlangsamte Bewegungen, was sogar bis zum vollkommenen Stillstand des Muskelapparats führen kann. Weshalb ausgerechnet die Dopamin-Nervenzellen absterben, ist bis heute jedoch noch weitgehend unbekannt.

Parkinson ist eine Nervenkrankheit, die im Körper Zittern, Muskelsteifheit und Bewegungslosigkeit hervorrufen kann Parkinson ist eine Nervenkrankheit, die im Körper Zittern, Muskelsteifheit und Bewegungslosigkeit hervorrufen kann
Eine typische Ausprägung von Freezing: Der komplette Körper des Patienten steht bis zu 30 Sekunden still Eine typische Ausprägung von Freezing: Der komplette Körper des Patienten steht bis zu 30 Sekunden still

Das Freezing - ein rätselhaftes Begleitphänomen bei Parkinson

Eine der merkwürdigsten Symptome des Parkinson-Syndroms ist das sogenannte Freezing, ein englischsprachiger Begriff, der so viel wie "Gefrieren" bedeutet. Und dies ist in der Tat eine zutreffende Bezeichnung für diesen rätselhaften Umstand: Eine Person läuft ganz normal auf der Straße, wird dann plötzlich immer langsamer und bleibt irgendwann wie festgefroren stehen. Dieser Zustand kann dann bis zu einer halben Minute andauern, in welcher der Patient augenscheinlich keinerlei Muskeln mehr rühren kann. Auffällig dabei ist, dass das Freezing offensichtlich nicht zu willkürlichen Zeitpunkten auftritt, sondern an ganz bestimmte Umstände gebunden zu sein scheint, nämlich wenn der normale, flüssige Bewegungsablauf durch äußere Umstände irgendwie gestört wird - zum Beispiel durch eine umschaltende Ampel, die Ansammlung einer Menschengruppe mitten auf dem Fußweg oder das Abbiegen nach einer ansonsten geradeaus verlaufenden Autofahrt. Die Ursachen dieser Muskelblockade liegen noch weithin im Dunkeln, doch man vermutet, dass das Freezing auf Schwankungen im Dopamin-Spiegel zurückzuführen ist.

Warum bei Parkinson die Medikamentenbehandlung mit Dopamin nicht funktioniert

Obwohl Parkinson und das damit verbundene Freezing bisher nicht wirklich heilbar ist und man noch immer nach den genauen Ursachen forscht, ist es der Medizin gelungen, hilfreiche Arzneimittel gegen diese Nervenschädigungen zu entwickeln. Der Grundgedanke war für die Medikamentenentwickler von Anfang an klar: Man muss im Falle von Parkinson dem Gehirn von außen Dopamin zuführen. Doch in der Praxis erwies sich dies als ein nahezu unmögliches Unterfangen. Die Gründe dafür sind leicht nachzuvollziehen: Mittels Medikamente kann man im Prinzip zwar dem Körper und damit dem Blut Dopamin zuführen, doch letztendlich muss dieses auch irgendwie ins Gehirn des Patienten gelangen, da sich dort ja die unterversorgten Nervenzellen befinden. Das große Problem dabei: Das Gehirn lässt die Stoffe nicht zu sich herein, weil es diese für schädliche Fremdkörper hält. Was eigentlich überlebenswichtig ist, kehrt sich im Falle der Dopaminversorgung ins Gegenteil um. Doch die Mediziner haben inzwischen Methoden gefunden, diesen körperlichen Umstand geschickt zu umgehen...

Normalerweise müsste bei Parkinson und Freezing lediglich dem Gehirn etwas Dopamin zugeführt werden. Doch dieses erkennt den Stoff als Fremdkörper an und lässt ihn nicht passieren. Normalerweise müsste bei Parkinson und Freezing lediglich dem Gehirn etwas Dopamin zugeführt werden. Doch dieses erkennt den Stoff als Fremdkörper an und lässt ihn nicht passieren.
Statt mit reinem Dopamin erfolgt die Behandlung mit Medikamenten, die den notwendigen Wirkstoff entweder geschickt nachahmen oder diesen erst direkt im Gehirn herstellen Statt mit reinem Dopamin erfolgt die Behandlung mit Medikamenten, die den notwendigen Wirkstoff entweder geschickt nachahmen oder diesen erst direkt im Gehirn herstellen

Wirksame Medikamente gegen Parkinson und Freezing

Zwar kann reines Dopamin nicht künstlich ins Gehirn geschleust werden, aber die Mediziner haben inzwischen mehrere Möglichkeiten entdeckt, wie man solche Schranken umgehen kann. Die wirksamste dieser Möglichkeiten ist ein Medikament namens L-DOPA. Dieses besteht quasi aus noch nicht ganz fertiggestellten Dopamin-Molekülen, welche das Gehirn aber nicht als Fremdkörper ansieht und sie stattdessen in das Nervensystem lässt. Sind sie erst einmal im Gehirn angelangt, werden sie dort mittels eines Enzyms zu reinen Dopaminen vervollständigt. Eine weitere Möglichkeit der Behandlung ist die Einnahme von sogenannten Dopaminagonisten. Vereinfacht ausgedrückt arbeiten diese Stoffe auf folgende Weise: Die künstlichen Teilchen sind zwar keine echten Dopamine, ahmen aber im Gehirn geschickt die Form und die Zusammensetzung ihrer natürlichen Vorbilder nach, sodass die Nervenzelle keinen Verdacht schöpft und die Stoffe anstandslos arbeiten lässt. Diese Teilchen passen zudem ganz genau auf die vorgesehenen Dopamin-"Landestellen" und das Gehirn glaubt dann tatsächlich, es mit dem echten Stoff zu tun zu haben.

Das Anti-Freezing-Training bei Parkinson

So ausgeklügelt eine medikamentöse Behandlung von Parkinson auch klingen mag: Nicht immer erzielt sie die gewünschten Erfolge und die Substanzen wirken auch keineswegs bei jedem Patienten gleich. Mittlerweile gibt es daher Kliniken, die sich auf ganz andere Arten der Bekämpfung jener rätselhaften Bewegungsblockade spezialisiert haben: Anti-Freezing-Training und Musiktherapie. Da das Freezing nahezu bei jedem Parkinson-Patienten bei einer anderen äußerlichen Situation in Erscheinung tritt, wird zunächst untersucht, welcher Umstand genau bei der individuellen Person zum Einfrieren des Körpers führt. Während die Muskelstarre beispielsweise bei den einen vor allem dann auftritt, wenn sich Leuchtsignale plötzlich ändern (z.B. bei einer Ampel), bleiben andere Menschen wiederum abrupt stehen, wenn sie in Kürze eine Engstelle passieren müssten, z.B. eine Lücke in einer Menschenansammlung. Im betreuten Anti-Freezing-Training werden deshalb genau diese Situationen immer und immer wieder geübt, damit das Gehirn für den echten Ernstfall vorbereitet ist.

Eine andere Art der Vorbeugung ist erstaunlicherweise in der Heilkraft der Musik zu finden. Und hierbei kommt eine ziemlich raffinierte Methode zum Einsatz: zunächst wird der typische Schrittrhythmus im Normalzustand des Patienten erfasst. Dieser Rhythmus wird dann mit technischen Mitteln quasi in ein "Musikstück" mit einschlägiger Melodie umgewandelt. Sobald bei der betroffenen Person das Freezing auftritt, kann sich diese an die eingeprägte Melodie erinnern und dadurch schnell wieder den gewohnten Bewegungsrhythmus ihrer Beine in Gang bringen.

Auswendig gelernte Musikstücke haben sich als gute alternative Behandlungsmethode beim Freezing erwiesen Auswendig gelernte Musikstücke haben sich als gute alternative Behandlungsmethode beim Freezing erwiesen
Wertvolle Hilfsmittel, um die Freezing-Blockade aufzuheben: Klatschen, Laserpointer Metronom, Stock oder ein fallengelassener Schlüsselbund Wertvolle Hilfsmittel, um die Freezing-Blockade aufzuheben: Klatschen, Laserpointer Metronom, Stock oder ein fallengelassener Schlüsselbund

Klatschen, Leuchten, Tippen - ungewöhnliche Hilfsmittel gegen das plötzliche Freezing

Während Medikamente üblicherweise gegen die Krankheit Parkinson als Ganzes gedacht sind, machen sich viele Therapeuten Gedanken darüber, wie man gezielt dem spontanen und bis heute rätselhaften Freezing entgegentreten könnte. Die Resultate verschiedener Versuche haben dabei erstaunliche Erkenntnisse an den Tag gelegt. Man kann die vom Freezing betroffene Person durchaus wieder aus der Starre holen, indem man sie mit Reizen konfrontiert, die akustisch oder optisch zur Überwindung der neuen Sachlage auffordern. Dazu gehört beispielsweise ein einfaches Klatschen mit den Händen, das Auftippen eines Stockes, ein fallengelassener Schlüsselpunkt oder auch ein Leuchtpunkt auf dem Boden, der von einem Laserpointer stammt. Auch ein tickendes Metronom zeigt Wirkung. Im Gehirn des Patienten wird durch solche künstlich geschaffenen Hindernisse offensichtlich eine Art Aufforderung in Gang gesetzt, eine unsichtbare Schwelle zu überwinden. Damit solche Methoden allerdings in der Realität auch problemlos funktionieren, sollten auch diese im Vorfeld so oft wie möglich geübt werden.

Implantat-Akupunktur gegen Parkinson und Freezing

Ähnlich ungewöhnlich wie die oben genannten Methoden mag sich im ersten Moment auch die sogenannte Implantat-Akupunktur anhören. Im Prinzip wird in unserem Kulturkreis Akupunktur schon seit vielen Jahrzehnten angewendet, doch bei dieser neuen Methode handelt sich um etwas ganz Spezielles. Zwar erinnert die Behandlung auf den ersten Blick an die klassische Akupunktur, doch zeichnet sich diese Variante durch eine kleine Besonderheit aus: Der Arzt platziert die Nadel in die Ohrmuschel, in welcher sie im Laufe der Zeit einwächst und daher dauerhaft zum festen Teil des Körpers wird. Die Methode kommt vor allem bei chronischen Krankheiten zum Einsatz und zeigt dementsprechend auch positive Wirkungen bei Parkinson - so führten erste Behandlungen bereits zu deutlichen Verbesserungen des Bewegungsapparats, der Muskelfunktionen und der Schmerzlinderung. Weitere Vorteile zeigen sich darin, dass die Einnahme chemischer Medikamente im hohen Maße reduziert werden kann, die Implantate gut verträglich sind und nicht zuletzt keinerlei unerwünschte Nebenwirkungen aufweisen.

Eine alternative Behandlungsmethode beim Freezing: Das dauerhafte Akupunktur-Implantat im Ohr des betroffenen Patienten Eine alternative Behandlungsmethode beim Freezing: Das dauerhafte Akupunktur-Implantat im Ohr des betroffenen Patienten
Mit einem speziellen Laserstock kann schnell eine künstliche Lichtblockade auf dem Boden erzeugt werden, die den Patienten aus der Starre des Freezing befreit Mit einem speziellen Laserstock kann schnell eine künstliche Lichtblockade auf dem Boden erzeugt werden, die den Patienten aus der Starre des Freezing befreit

Eine raffinierte Erfindung: Der Laser-Stock für Freezing-Patienten

Wie mittlerweile also festgestellt, handelt es sich beim Freezing um eine plötzliche Bewegungsblockade bei Parkinson, die nahezu nur mit akustischen, optischen oder mechanischen Reizen überwunden werden kann. Eines der neuesten Hilfsmittel ist hierbei der Anti-Freezing-Stock, der sowohl in einer mechanischen Ausführung als auch mit hochmoderner Laserfunktion auf dem Markt erhältlich ist. Das Prinzip bei letzterem ist ähnlich demjenigen des oben genannten Laserpointers, nur dass der Betroffene das optische Hindernis damit ganz einfach selbst erzeugen kann. Und die Funktionsweise ist so einfach wie wirkungsvoll: Am Handgriff des speziell geformten Stocks befindet sich eine Taste, die der Patient im Falle eines Falles drücken kann. Dies aktiviert augenblicklich einen Laserstrahl, der aus dem Bodenteil des Stockes kommt und eine leuchtende Lichtblockade vor den Füßen des Patienten projiziert. Damit wird die Freezing-Blockade in der Regel aufgelöst und der Patient schickt sich unverzüglich an, über dieses "Hindernis" hinwegzusteigen.

Zusammenfassung

  • Parkinson ist eine Erkrankung des Nervensystems, die zu einer Blockade des körperlichen Bewegungsapparats führt
  • Auslöser von Parkinson ist das schwindende Dopamin in den Nervenzellen, was letztendlich zu Zittern, Muskelversteifung und Bewegungslosigkeit führt
  • Das plötzliche Einfrieren des Körpers wird Freezing genannt
  • Freezing ist fast immer an Veränderungen der äußeren Begebenheiten gekoppelt
  • Eine reine Dopamin-Zufuhr ist zur Behandlung von Parkinson nicht machbar, da der Körper das Dopamin als Fremdkörper wertet und dieses nicht in das Gehirn eintreten lässt
  • Eine Behandlung ist jedoch durch Medikamente möglich, die sich entweder als Dopamin tarnen oder die das Dopamin erst im Gehirn des Patienten erzeugen
  • Vorbeugendes Anti-Freezing-Training kann durch Musiktherapien oder mittels Simulationen des Ernstfalles erfolgen
  • Es gibt auch äußere Hilfsmittel, um die Bewegungsblockade aufzuheben: Laserpointer, Laserstöcke oder In-die-Hände-Klatschen
  • Auch die Implantat-Akupunktur im Ohr konnte bereits gute Verbesserungserfolge bei Menschen mit Parkinson verzeichnen

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