Leistungen der Krankenkassen bei Inkontinenz

Leistungen der Krankenkassen bei Inkontinenz

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Fragen zu den Leistungen der Krankenkassen bei Inkontinenz findet man keineswegs nur in der Pflege, denn von Inkontinenz - v.a. der Harninkontinenz - sind wesentlich mehr Menschen betroffen, als man gemeinhin denken mag. Es gibt vielfältige Ursachen und nicht nur die körperlichen Umstände sind es, die den Patienten zusetzen können - denn schnell kann die Blasenschwäche den kompletten Tagesablauf dominieren und das eigene Selbstwertgefühl in erheblichem Maße schmälern. Die Versorgung mit Windeln und Vorlagen wird dennoch in den meisten Fällen viel zu lange hinausgezögert. Doch wenn sich solche Hilfsmittel schließlich nicht mehr vermeiden lassen, tritt rasch ein weiteres Problem zutage: Der regelmäßige Gebrauch von Inkontinenzbedarf kann sehr schnell teuer werden. Doch das muss nicht sein, denn es gibt immer noch den Arzt und die Leistungen der gesetzlichen Pflege- und Krankenkassen.

Wo ist die Versorgung von Hilfsmitteln seitens der gesetzlichen Krankenkassen geregelt?

Regelungen hinsichtlich einer Bezuschussung durch die Krankenkasse finden sich im Deutschen Sozialgesetzbuch. In diesem sind alle Bereiche unserer Gesellschaft geregelt, die das soziale Leben betreffen. Da die Themen naturgemäß äußerst vielfältig sind und von der Jugendhilfe bis zur Pflege reichen, besteht das Sozialgesetzbuch aus nicht weniger als zwölf umfangreichen Bänden, wobei sich der fünfte Band mit der gesetzlichen Krankenversicherung und den Leistungen der Krankenkassen beschäftigt. In § 33 dieses Gesetzeswerkes sind schließlich die grundsätzlichen Hilfsmittel beschrieben, die zur Pflege, Erhaltung und Verbesserung der Gesundheit dienen und deren Kosten prinzipiell von den Krankenkassen übernommen werden. § 139 schließlich bildet die Grundlage für das Hilfsmittelverzeichnis des GKV-Spitzenverbandes, in welchem alle bezuschussten Hilfsmittel zur Versorgung aufgelistet sind. Doch prinzipiell darf der Arzt bei Blasenschwäche oder Harninkontinenz dem Patienten auch durchaus ein Rezept für ein Hilfsmittel ausstellen, welches dort nicht aufgelistet ist, wie etwa ganz spezielle Vorlagen. Der Arzt muss auf dem Rezept dann lediglich seine Wahl begründen.

Bei Krankheit oder Pflege: Im Sozialgesetzbuch V ist die Bezuschussung von Hilfsmitteln wie Windeln oder Vorlagen durch die Krankenkassen geregelt Bei Krankheit oder Pflege: Im Sozialgesetzbuch V ist die Bezuschussung von Hilfsmitteln wie Windeln oder Vorlagen durch die Krankenkassen geregelt
Als mittelschwere Inkontinenz gilt eine Urinabgabe von mindestens 100 ml innerhalb von vier Stunden Als mittelschwere Inkontinenz gilt eine Urinabgabe von mindestens 100 ml innerhalb von vier Stunden

Wann wird Inkontinenz von der Krankenkasse anerkannt?

Im oben genannten Hilfsmittelverzeichnis findet man unter der Gruppennummer 15 unter anderem die Hilfsmittel für die Blasenschwäche. Wörtlich heißt es dort: Inkontinenzhilfen dienen Personen, die nicht in der Lage sind, Harn und/oder Stuhlabgang willkürlich zu kontrollieren. Hilfsmittel wie etwa Vorlagen sollen Urinausscheidungen auffangen, um Infektionen und sonstige Störungen zu verhindern. Wann letztendlich die Krankenkasse in Anspruch genommen werden kann, ist ebenfalls genau geregelt. Um es kurz zu formulieren: Die Krankenkasse zahlt, wenn beim Patienten eine Inkontinenz mittleren Grades vorliegt. Was zunächst etwas vage formuliert sein mag, wird allerdings im Hilfsmittelverzeichnis mit konkreten Zahlen belegt. Dort heißt es dazu sinngemäß: Eine Inkontinenz mittleren Grades liegt dann vor, wenn vom Patienten innerhalb von vier Stunden 100 - 200 ml Urin abgegeben wird. Ab dieser Menge können die Leistungen der Krankenkasse in Anspruch genommen werden. Sprich: Dann übernimmt die Krankenkasse größtenteils etwa die Kosten für Inkontinenzwindeln und Vorlagen.

Wie bekomme ich über die Krankenkassen ein Rezept für Windeln oder Vorlagen?

Auch inkontinente Menschen haben seitens der gesetzlichen Krankenkasse Anspruch auf eine umfassende Versorgung und das Vorhandensein einer mittleren Harninkontinenz reicht in der Regel aus, um diesbezüglich ein Rezept für Windeln oder Vorlagen zu erhalten. Doch dem Patienten sei ans Herz gelegt, zunächst einmal für sich selbst zu testen, mit welchen Hilfsmitteln er prinzipiell am besten zurande kommt. Erst dann sollte man sich vom Arzt ein Rezept verschreiben lassen. Vorsicht bei privaten Krankenkassen: Im Falle einer Privatversicherung hängt die Erstattung vom gewählten Tarif des Versicherten ab und man sollte sich bei seiner Krankenkasse ganz genau erkundigen, bei welchen Hilfsmitteln für Blasenschwäche es genau ein Rezept bzw. einen Zuschuss gibt und wie hoch die eigene Zuzahlung ausfallen wird. Auch die Schwere der Harninkontinenz sollte mit dem Arzt durchgesprochen werden.

Das Rezept für Hilfsmittel wird in der Regel vom Arzt ausgestellt Das Rezept für Hilfsmittel wird in der Regel vom Arzt ausgestellt
Wie bei Medikamenten gilt auch bei Inkontinenzbedarf: Der Patient muss im Monat nur 10 Euro hinzuzahlen Wie bei Medikamenten gilt auch bei Inkontinenzbedarf: Der Patient muss im Monat nur 10 Euro hinzuzahlen

Wie hoch ist meine Zuzahlung für Windeln oder Vorlagen?

Grundsätzlich wird von der gesetzlichen Krankenkasse eine Zuzahlung von 10 Prozent der Kosten dieser Hilfsmittel erhoben, wobei allerdings der Höchstbetrag von 10 Euro nicht überschritten werden darf. Kinder und Jugendliche sind von vornherein von Zuzahlungen befreit. Weiterhin können sich Betroffene von den Zuzahlungen befreien lassen, wenn beispielsweise eine chronische Krankheit mit starker Behinderung und ständige ärztliche Versorgung vorliegt oder die finanzielle Belastungsgrenze des Patienten überschritten wird. Also unterm Strich bedeutet dies für Patienten mit einer mittelschweren Inkontinenz: Es dürfen von der Krankenkasse höchstens 10 Euro Zuzahlung pro Monat erhoben werden.

Die richtige Versorgung: Wie viele Windeln und Vorlagen darf ich am Tag verwenden?

Erste Antworten auf diese Frage finden sich zunächst in einem Empfehlungsgutachten des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung. Dort steht zunächst ganz allgemein: „Die adäquate Versorgung mit Inkontinenzhilfen hat zum Ziel, den Betroffenen die Teilhabe am sozialen Leben der Gemeinschaft zu ermöglichen.“ Weiter heißt es, dass Inkontinenzhilfen entsprechend dem Ausmaß der Blasenschwäche zu verordnen seien. Später folgen einige Richtwerte für verschiedene Hilfsmittel, die im Falle von Windeln 150 bis 180 Stück pro Monat angeben. Dies bedeutet im Durchschnitt 5-6 Windeln pro Tag. Was aber nun viele Patienten missverstehen: Dies ist keine rechtliche Zwangsvorgabe, sondern lediglich eine Richtlinie. Viele Betroffene von Inkontinenz benötigen je nach Ausprägung ihrer Blasenschwäche schlichtweg eine größere Anzahl an Windeln für die richtige Pflege. Wenn dies dann auch nachgewiesen werden kann, hat der Patient einen gesetzlichen Anspruch auf den kompletten Bedarf, den er für seine ganz persönliche Pflege benötigt. Es bleibt also in jedem Falle lediglich bei 10 Euro Zuzahlung im Monat.

Für manchen Patienten stellt sich die Frage, wie viele Windeln er zur eigenen Pflege rein gesetzlich im Monat verbrauchen darf. Für manchen Patienten stellt sich die Frage, wie viele Windeln er zur eigenen Pflege rein gesetzlich im Monat verbrauchen darf.
Im Fall der häuslichen Pflege hat man rechtlichen Anspruch auf 40 Euro Zuschussgelder pro Monat. Im Fall der häuslichen Pflege hat man rechtlichen Anspruch auf 40 Euro Zuschussgelder pro Monat.

Inkontinenz und in Pflege: Welche Leistungen man in einem solchen Fall in Anspruch nehmen kann

Tritt Inkontinenz bei einem Menschen auf, der eine Pflegestufe aufweist, können zusätzlich Zuschüsse in Anspruch genommen werden. Bei einem Pflegegrad schreibt das Sozialgesetzbuch nämlich Hilfsmittel von 40 Euro monatlich für die Finanzierung dieser Pflege vor. Voraussetzung für die Inanspruchnahme ist, dass diese Pflege zuhause stattfindet und von Angehörigen oder einem Pflegedienst durchgeführt wird. Für welche Produkte diese Zuschüsse gedacht sind, ist im Pflegehilfsmittelverzeichnis geregelt. Dort heißt es unter der Produktgruppennummer 54: Zum Verbrauch bestimmte, an Pflegebedürftige anzuwendende Hilfsmittel sind z.B. Einmalhandschuhe und Bettschutzeinlagen. Möchte man diese Zuschüsse für die Pflege in Anspruch nehmen, muss seitens des Pflegefalles ein Antrag gestellt werden und der Patient sollte sich dazu direkt an seine persönliche Pflegekasse wenden, um das weitere Vorgehen abzusprechen.

Zusammenfassung

  • Zuschüsse für Hilfsmittel bei Pflege und Krankheit sind im Sozialgesetzbuch geregelt
  • Im SGB V finden sich Informationen rund um die Krankenkassen
  • Dort finden sich auch die entsprechenden Regelungen im Fall von Blasenschwäche und andere Arten der Inkontinenz
  • Zuschüsse seitens der Krankenkassen sind ab einer mittelschweren Harninkontinenz des Patienten gewährt
  • Zur Beantragung eines Zuschusses von der Krankenkasse - etwa für Windeln - wird ein Rezept vom Arzt benötigt
  • Der Arzt kann bei Inkontinenz auch ein Rezept für nicht gelistete Hilfsmittel ausstellen
  • Die eigene Zuzahlung für Hilfsmittel beträgt bei einer anerkannten Harninkontinenz bzw. Blasenschwäche nur 10 Euro im Monat
  • Dabei spielt die tatsächlich benötigte Anzahl an Inkontinenzwindeln prinzipiell keine Rolle
  • Im Falle der häuslichen Pflege erhält bei Inkontinenz zusätzlich 40 Euro pro Monat für Hilfsmittel von der Pflegekasse

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